Die tiefste Sonnenfinsternis seit 1999
Am Abend des 12. August 2026 schiebt sich der Mond vor die Sonne. In Bayern und Baden-Württemberg bleiben zum Maximum nur noch etwa 10 % der Sonnenscheibe übrig – tief im Westen, kurz vor Sonnenuntergang.
Es ist das eindrucksvollste Himmelsereignis, das über Deutschland seit der totalen Finsternis vom 11. August 1999 zu sehen ist. Wer es erleben will, braucht dreierlei: freie Sicht nach Westnordwest, eine zertifizierte Finsternisbrille und ein bisschen Wetterglück.
20:15 Durchmesser 90 % · Fläche 89 %
Maßstabsgetreu berechnet: Mondscheibe 3 % größer als die Sonnenscheibe, Bedeckungsgrad 0,905 zum Maximum (Südbayern).
Ablauf
Die wichtigsten Zeiten
Werte für den Raum München/Pfaffenhofen. In Norddeutschland fällt die Bedeckung etwas geringer aus, im Südwesten etwas höher; die Zeiten verschieben sich um wenige Minuten.
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19:22
Erster Kontakt
Der Mond berührt den Sonnenrand. Ohne Filter merkt man davon nichts – die Sonne steht noch rund 12° hoch.
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19:50
Halbzeit
Etwa die Hälfte der Sonnenscheibe ist verdeckt. Das Licht wird spürbar metallischer, Schatten werden schärfer.
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20:15
Maximum – ca. 90 % bedeckt
Nur noch eine schmale Sichel bleibt übrig. Die Sonne steht jetzt nur noch gut 2° über dem Horizont, es wird deutlich dämmriger als sonst um diese Zeit.
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20:32
Sonnenuntergang
Die verfinsterte Sonne geht unter. Rechnerisch läuft die Finsternis noch eine gute halbe Stunde weiter – dann aber unsichtbar unter dem Horizont.
Bonus in derselben Nacht
Der 12. August ist Neumond – der Himmel bleibt danach stockdunkel. Und genau in der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen die Perseiden ihr Maximum. Finsternis am Abend, Sternschnuppen in der Nacht.
Der Hintergrund
Warum das überhaupt funktioniert: der Faktor 400
Dass es Sonnenfinsternisse in dieser Form gibt, ist alles andere als selbstverständlich. Es liegt an einem verblüffenden Zahlenverhältnis.
Schematisch: Größen und Abstände sind nicht im selben Maßstab dargestellt.
1.392.000 km ÷ 3.474 km ≈ 400 Größenverhältnis
150.000.000 km ÷ 384.000 km ≈ 390 Entfernungsverhältnis
Beide Zahlen sind fast gleich – deshalb erscheinen Sonne und Mond von der Erde aus fast exakt gleich groß am Himmel.
Ein Blickpunkt, den es sonst nirgends gibt
Unser Sonnensystem hat hunderte Monde. Keiner davon passt so genau zu seiner Sonne wie unserer:
| Planet & Mond | Scheinbare Passung | Folge |
|---|---|---|
| Erde – Mond | nahezu perfekt | Totale Finsternis mit sichtbarer Korona möglich |
| Mars – Phobos / Deimos | viel zu klein | Nur ein Transit, kein echter Finsternis-Effekt |
| Jupiter – Galileische Monde | deutlich zu groß | Der Schatten deckt die Sonne weit über den Rand hinaus ab |
| Saturn – Titan | deutlich zu groß | Kein feiner Ring aus Korona, nur völlige Abdeckung |
Bei Jupiter und Saturn ist die Sonne wegen der großen Entfernung so klein, dass die großen Monde sie weit überdecken – der zarte Korona-Effekt der Erde entsteht dort nicht.
Wichtig
Sicher beobachten – niemals ungeschützt
Nie ohne Filter in die Sonne blicken
Schon Sekunden ungeschützten Blicks können die Netzhaut dauerhaft schädigen – schmerzfrei und ohne Vorwarnung, denn die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren. Das gilt auch dann, wenn die Sonne zu 90 % bedeckt ist.
Nur zertifizierte Brillen nach EN ISO 12312-2 mit CE-Zeichen. Vor Gebrauch gegen eine Lampe prüfen: keine Kratzer, keine Löcher, keine Falten.
Die sicherste Methode für Schulklassen: Sonnenlicht durch ein kleines Loch auf ein weißes Blatt projizieren. Alle schauen vom Bild weg von der Sonne.
Sonnenbrillen, Rettungsdecken, berußtes Glas, belichtete Filme, CDs, Schweißerglas unbekannter Stufe. Und niemals durch Fernglas, Kamera oder Teleskop ohne Objektiv-Sonnenfilter.
Für Schulen
Die Finsternis im Unterricht vorbereiten
Der 12. August 2026 fällt in die bayerischen Sommerferien. Das Ereignis lässt sich aber davor wie danach hervorragend nutzen: als Anlass, Bahnbewegungen, Schattengeometrie und Größenverhältnisse einmal wirklich anschaulich zu machen – in der Kuppel, in 360°, live moderiert.
Sonne, Erde, Mond
Warum es Tag und Nacht gibt, warum der Mond seine Gestalt wechselt und was passiert, wenn alle drei in einer Linie stehen.
Schatten, Kern & Halbschatten
Kernschatten und Halbschatten am Modell, warum Totalität nur in einem schmalen Streifen auftritt und weshalb es nicht bei jedem Neumond eine Finsternis gibt.
Bahnneigung & Saros
Die 5°-Neigung der Mondbahn, Knotenlinie, Drakonitischer Monat und der Saros-Zyklus, mit dem sich Finsternisse vorhersagen lassen.
Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Wird es so dunkel wie nachts?
Nein. Selbst bei 90 % Bedeckung bleibt ein heller Sonnenrest, der noch immer sehr viel Licht liefert. Es wirkt eher wie ein ungewöhnlich fahler, gedämpfter Abend. Erst die letzten Prozent machen den dramatischen Unterschied – und die gibt es nur in der Totalitätszone.
Kann man die Korona von Deutschland aus sehen?
Nein. Die Korona ist millionenfach lichtschwächer als die Sonnenoberfläche. Solange auch nur ein kleiner Teil der Photosphäre sichtbar ist, überstrahlt er sie vollständig.
Wo ist die Finsternis total?
Der Kernschatten streift Grönland, Island und Nordspanien. Für das europäische Festland ist es die erste totale Sonnenfinsternis seit dem 11. August 1999.
Wann kommt die nächste?
Schon am 2. August 2027 gibt es über Bayern wieder eine partielle Finsternis, dann mit rund 59 % Bedeckung und mittags hoch am Himmel. Totalität über deutschem Boden erst wieder am 3. September 2081.
Warum nicht bei jedem Neumond?
Die Mondbahn ist rund 5° gegen die Erdbahn geneigt. Meist zieht der Neumond deshalb über oder unter der Sonne vorbei. Nur wenn er zusätzlich nahe einem Bahnknoten steht, trifft sein Schatten die Erde.