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Wie viele Sterne sehen Sie noch?

Der Himmel über uns ist überall derselbe – nur sehen wir längst nicht überall dasselbe. Hier ist ein einziger Ausschnitt des Sternhimmels, das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Altair. Ziehen Sie den Regler von der Innenstadt hinauf ins Hochgebirge und schauen Sie zu, wie viele Sterne dazukommen.

Von der Innenstadt bis ins Hochgebirge

Sommerdreieck mit Milchstraße – so steht es von Juli bis Oktober am Abendhimmel im Süden.
51 Sterne sichtbar
Innenstadt Himmelsqualität
4,0 mag Grenzgröße
nicht zu sehen Milchstraße

Die Sterne verschwinden nicht – sie ertrinken

Lichtverschmutzung löscht keine Sterne aus. Sie hellt die Luft zwischen uns und den Sternen auf: Licht von Straßenlaternen, Schaufenstern und Flutlichtern wird an Staub und Luftmolekülen gestreut und macht den Nachthimmel milchig hell. Ein schwacher Stern hebt sich davon nicht mehr ab – wie ein Flüstern in einem lauten Raum.

Fachleute messen das als Grenzgröße: die Helligkeit des schwächsten Sterns, den ein gesundes Auge gerade noch erkennt. Sie wird in Magnituden angegeben, und zwar rückwärts – je größer die Zahl, desto schwächer der Stern. In der Innenstadt liegt die Grenze bei etwa 4 mag, unter einem wirklich dunklen Bergnimmel bei 6,5 mag und besser. Das klingt nach wenig. Es ist der Unterschied zwischen ein paar Dutzend und mehreren Tausend Sternen.

Warum die Milchstraße zuerst geht

Die Milchstraße ist kein heller Punkt, sondern ein schwaches, ausgedehntes Leuchten aus Milliarden ferner Sonnen. Genau solche flächigen Objekte gehen im aufgehellten Himmel als Erstes unter – schon am Stadtrand ist sie meist weg. Nach einer verbreiteten Schätzung sieht rund ein Drittel der Menschheit sie nie; in Europa liegt der Anteil noch höher. Für viele Kinder in unseren Städten ist der Anblick, den jede Generation vor ihnen selbstverständlich kannte, schlicht nicht mehr verfügbar.

Warum das Planetarium in die Turnhalle kommt

Ein Klassenausflug in die Alpen ist selten drin. Und selbst dort bräuchte es eine klare Nacht, Neumond und Schüler, die um zwei Uhr früh noch wach sind. Genau diese Lücke füllt die mobile Kuppel: Sie bringt den Himmel der letzten Reglerstufe mit – am Vormittag, in Ihrer Turnhalle, bei jedem Wetter.

Und sie bringt etwas mit, das der echte Bergnimmel nicht liefert: jemanden, der danebensteht und erklärt, was man da sieht. Deshalb blendet die letzte Reglerstufe Linien und Namen ein – nicht weil die Kuppel dunkler wäre als die Alpen (dunkler geht es nicht), sondern weil dort jemand mitdenkt.

Ehrlich bleiben

Ein Planetarium ersetzt den echten Sternenhimmel nicht – es macht Lust darauf. Der beste Abschluss einer Vorführung ist eine Klasse, die abends nach draußen geht und selbst nachschaut. Womöglich hilft es sogar dabei, dass die nächste Generation den Nachthimmel wieder für schützenswert hält.

So lässt sich damit arbeiten

  • Schätzen lassen: Vor dem Ziehen fragen, wie viele Sterne wohl dazukommen. Die wenigsten tippen auf das Zehnfache.
  • Selbst zählen: Abends draußen die Sterne in einem festen Ausschnitt zählen – etwa im Kasten des Großen Wagens. Das Ergebnis verrät die Himmelsqualität am Wohnort.
  • Vergleichen: Dieselbe Zählung bei Verwandten auf dem Land oder im Urlaub wiederholen und die Zahlen nebeneinanderlegen.
  • Ursachen suchen: Auf dem Schulweg schauen, welche Lampen nach oben strahlen statt nach unten. Lichtverschmutzung ist das einzige Umweltproblem, das sich per Lichtschalter sofort beheben lässt.
  • Weiterdenken: Was bedeutet dauerhafte Helligkeit für nachtaktive Tiere, für Zugvögel, für Insekten an Straßenlaternen?